Die Bernsteinschabe: ein ungefährlicher Einwanderer

Immer häufiger werden Schädlingsexperten und Zoologen von verunsicherten Mitbürgern verständigt, die einen angeblichen Kakerlakenbefall melden. Oft handelt es sich bei den ungebetenen Gästen lediglich um die ungefährliche Bernsteinschabe (lat.: Ectobius vittiventris).

Dieses Wärme liebende Insekt gehört zu der Gattung der Waldschaben. Bis jetzt kommt es in Deutschland fast ausschließlich in Baden-Württemberg vor. Dort ist die Schabe vor ca. 14 Jahren, ausgehend vom Mittelmeerraum über die Schweiz, eingewandert. Dank der globalen Erwärmung konnte sie die Alpen überwinden, weswegen sie nun auch immer wieder in deutschen Wohnungen beobachtet werden kann. Zum Glück ist diese Schabenart unbedenklich. Anders als die als Hygiene-Schädling einzustufende "Deutsche Schabe" (Blatella germanica) hat sie es nicht auf unsere Lebensmittelvorräte abgesehen, sie ernährt sich nämlich ausschließlich von abgestorbenem Pflanzenmaterial. Eine Schädlingsbekämpfung ist demnach nicht nötig. Eine Schädlingsidentifikation jedoch ist ratsam, wenn man sich unsicher ist um welche Schabenart es sich nun genau handelt.

Seit den 90er Jahren konnte die Schabe in der Schweiz Fuß fassen. In Deutschland ist sie zum ersten Mal im Jahr 2001 aufgefallen und zwar im Baden-Württembergischen Weil am Rhein. Neuerdings kommt sie sogar schon im weiter nördlich gelegenen Breisgau vor und es ist davon auszugehen, dass sie sich noch weiter nach Norden ausbreiten wird.

Die folgenden Charakteristika sollen Ihnen dabei helfen, die Verwechslungsgefahr zwischen Deutscher Schabe und Bernsteinschabe zu minimieren: die Deutsche Schabe verfügt im Gegensatz zur Bernsteinschabe über zwei schwarze Längsstreifen am sog. Halsschild, direkt hinter ihrem Kopf. Weitere Unterschiede sind ihre Flugunfähigkeit und Nachtaktivität. Ferner sind Deutsche Schaben meist im Inneren von Häusern anzutreffen, während Bernsteinschaben das Freie bevorzugen. Deutsche Schaben haben zudem einen ausgeprägten Fluchtreflex; werden sie bei ihren nächtlichen Streifzügen auf der Suche nach Futter gestört, verkriechen sie sich blitzschnell in der ersten Ritze, die sie finden können.


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